„Eine Niederlage hat auch etwas Klärendes. Man sieht, wer wirklich zu einem steht oder wer nur wegen persönlicher Vorteile immer in der Nähe ist“, sagte mal ein Spitzenpolitiker vor etlichen Jahren. Auch unter Christen ist da so. Paulus hat zwar „nicht wirklich“ eine Niederlage erlitten. Aber in den Augen der Menschen war es so, als er gefangengenommen und ins Gefängnis gesteckt wurde. Die Philipper waren solche, die trotz dieser Enttäuschung für sie auf der Seite von Paulus stehen blieben. Sie sandten ihm sogar Geld. Dieses Mitempfinden hat Paulus sehr ermutigt (Phil 2,1-4). In 2. Timotheus 1,16 schreibt Paulus von Onesiphorus, dass auch er sich der Fesseln von Paulus nicht geschämt hat.

Heute sind es in Deutschland vermutlich weniger Gefangennahmen, die positiv oder negativ ausgelegt werden. Aber vielleicht bezieht jemand Position in einer konkreten Frage – und steht (fast) allein da. Da zeigt sich, wer weiter zu ihm steht (immerhin könnte es wie bei Paulus sein, dass er im Recht ist, auch wenn viele anderer Meinung sind). Da geht es um eine Seelsorge, und jemand wird von vielen verleumdet. Keiner steht mehr zu diesem Seelsorger, man wendet sich ab. Oder es geht nicht gut „in der Familie“ – auf einmal stehen die Eltern ganz alleine da.

In solchen Umständen erweist sich, ob es wahre Freunde gibt. Das war in der Zeit von Paulus so und hat sich bis heute nicht gändert!