Weil das Urteil über böse Taten nicht schnell vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder in ihnen voll, Böses zu tun.
Prediger 8,11

Manche Leute lieben das Risiko, und oft geht es sogar gut. Aber wenn sie dabei die Grenzen des Gesetzes überschreiten, werden die Erfolge zweifelhaft. „Jenseits von Gut und Böse“, das gibt es nicht. Gott hat seine Maßstäbe. Er hält sie auch hoch, aber Er greift oft nicht so schnell im Gericht ein. Darum werden viele Menschen leichtsinnig. Sie verwechseln die Langmut Gottes mit Gleichgültigkeit. Ein folgenschwerer Trugschluss!
Der Verräter Judas Iskariot ist den meisten Lesern wohlbekannt. Weniger bekannt sein dürfte, dass Jesus Christus von vornherein wusste, um was für einen Menschen es sich handelte.
Einmal sagte Er: „Habe ich nicht euch, die Zwölf, auserwählt? Und von euch ist einer ein Teufel.“ Der biblische Bericht fügt noch hinzu: „Er sprach aber von Judas, Simons Sohn, dem Iskariot; denn dieser sollte ihn überliefern“ (Johannes 6,70.71). Dennoch behandelte der Herr diesen Heuchler wie alle anderen Jünger auch. Und keiner von ihnen konnte sich vorstellen, dass Judas zu dieser unseligen Tat fähig sein würde.
Was uns hier interessiert, ist die außerordentliche Langmut des Sohnes Gottes, die sicher ihre Gründe hatte. Solche Milde bedeutet noch eine Chance für den verlorenen Menschen, eine Gelegenheit zur Umkehr, um sein Leben mit Gott in Ordnung zu bringen. Deswegen straft Gott auch heute das Böse oft nicht sofort, selbst wenn es zum Himmel schreit.
Das wird aber nicht so bleiben; denn Er wird einmal „jedes Werk … in das Gericht über alles Verborgene bringen“ (Prediger 12,14). Es wäre verhängnisvoll zu meinen, Gott würde unsere Verfehlungen nicht sehen, nur weil Er scheinbar nicht darauf reagiert.

Aus: Die gute Saat 2007, CSV Hückeswagen