Wir alle sind verschieden. Jeder hat andere Fähigkeiten, ein verschiedenes Maß an Kraft, physisch und psychisch. Das wissen wir eigentlich alle. Dennoch ertappen wir uns immer wieder dabei, dass wir andere an unserm eigenen Anspruch messen - und vielleicht verurteilen, wenn sie unserem Anspruch nicht gerecht werden.

Das kann fatale Folgen haben, wenn es um den Dienst für den Herrn geht. Denn dann wird von anderen Brüdern und Schwestern - vielleicht unbewusst - gefordert, dass sie dieselben Leistungen erbringen wie vielleicht jemand, der eine schier nie endende Energie hat. Und sie setzen sich dann selbst unter Druck und versuchen, so zu sein und so zu wirken wie andere.

Wenn jemand es schafft, regelmäßig morgens um 5 Uhr aufzustehen, um Traktate zu verteilen, heißt das noch nicht, dass der andere dies auch bewältigen muss. Oder wenn eine Frau jeden Sonntag 10 Gäste bewirten kann, muss ihre Glaubensschwester noch lange nicht dieselbe Kraft haben. Auch geht nicht jeder Mann gleich „hart“ mit sich um, nicht jeder ist gesundheitlich gleich stark, einer ist „häuslicher“, einem anderen macht es nichts aus, dauernd unterwegs zu sein…

Sicher wollen wir uns alle bemühen, nach unseren Kräften dem Herrn zu dienen. Und wir wollen nicht unsere Faulheit hinter scheinbarem Kräftemangel verstecken. Aber wir sollten sehr, sehr vorsichtig sein, die Kräfte unserer Brüder und Schwestern zu beurteilen.

In diesem - umgekehrten - Sinn möchte ich einmal den Vers 3 aus Römer 12 anwenden:

Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden, jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat.