"Ein Quäntchen wirklicher Freundschaft ist viel mehr als eine ganze Wagenladung Verehrung", sagte einmal der Schweizer Staatsrechtler Carl Hilty (1833-1909). Tatsächlich ist es für einen Christen äußerst gefährlich, "verehrt" zu werden. Das steigt früher oder später zu Kopf, wie man an Gideon sieht. Er hat es abgelehnt, König und Verehrter zu sein. Und doch war es ein schleichendes Gift, weil ihm diese Ehrerweisungen immer wieder unterbreitet wurden (Richter 8). Irgendwann nannte er seinen Sohn Ahimelech – mein Vater ist König. Wahre Freundschaft zeichnet sich dagegen dadurch aus, dass man sich gegenseitig offen sagen kann, wenn etwas "schief" läuft. Dafür ist Vertrauen vorhanden, so dass man Kritik ertragen kann, ja sie nötig hat. Wir alle brauchen Freunde, nicht Verehrer.
"Der Freund liebt zu aller Zeit, und als Bruder für die Drangsal wird er geboren" (Sprüche 17,17).